Du hast deinen Jagdschein in der Tasche und stehst zum ersten Mal allein in einem fremden Revier? Der erste Reviergang entscheidet über den ersten Eindruck beim Verpächter, beim Hundeführer und vor allem beim Wild. Ich zeige dir, wie du den Reviergäng als Jungjäger souverän meisterst.
Was bedeutet „Reviergang“?
Der Reviergang ist die strukturierte Begehung eines Jagdreviers – ohne Schussabsicht. Ziel ist, das Revier kennenzulernen: Wildwechsel, Einstände, Suhlen, Kirrungen, Salzlecken, gefahrenstellen für Kügelfang und Reviergrenzen. Für einen Jungjäger ist das die wichtigste Vorbereitung auf den ersten Ansitz.
Vor dem ersten Reviergang – was du wissen musst
- Erlaubnis des Jagdpaechters einholen – schriftlich, mit Datum und Zeitraum
- Jagdschein immer dabei (Pflicht!)
- Revierkarte oder GPS-App mit eingezeichneten Grenzen, Hochsitzen, Kirrungen
- Wind- und Wetterlage prüfen
- Mitjagdgenehmigung falls als Gästegänger
Ausrüstung für den Reviergang
Für eine reine Begehung brauchst du keine Waffe – dafür aber:
- Fernglas 8×42 oder 10×42 – unverzichtbar
- Wetterfeste, leise Bekleidung in Tarn- oder Naturtönen
- Wanderstiefel oder Gummistiefel je nach Wetter
- Notizbuch oder Revier-App zum Eintragen von Wildbeobachtungen
- Stirnlampe bei Dämmerung
- Erste-Hilfe-Set, Wasser, Snack
Wie läuft ein Reviergang ab?
Plane mindestens 3–4 Stunden pro Begehung ein – idealerweise in der Dämmerung, wenn Wild aktiv ist.
1. Reviergrenzen abgehen
Lerne zuerst die Grenzen kennen – Straßen, Waldränder, Bachläufe. So vermeidest du illegalen Wildwechsel über Reviergrenzen hinweg.
2. Einstände und Äsungsflächen identifizieren
Suche nach Trittsiegeln, Losung, Fährten, abgeschlagenen Trieben und Suhlen. Notiere dir die Stellen – das wird später dein Ansitz-Repertoire.
3. Hochsitze und Kanzeln prüfen
Prüfe jeden Hochsitz auf Standsicherheit, Leitersprossen, Dächern und Schussfeldern. Defekte unbedingt dem Paechter melden – Unfallgefahr.
4. Wildbeobachtung
Setz dich phasenweise still hin und beobachte. Welches Wild zieht wo? Wie verhält es sich bei welcher Witterung? Das ist der Schlüssel zum späteren Jagderfolg – mehr dazu in unserem Ansitzjagd-Leitfaden.
Wichtige Regeln im fremden Revier
- Niemals ohne Erlaubnis über die Reviergrenze
- Hunde nur angeleint mitführen (außer bei genehmigter Suche)
- Keine Spuren hinterlassen – keine Kippen, kein Müll
- Wildstörung minimieren – windrichtig anschleichen
- Bei Beobachtung anderer Jäger: Abstand halten und grüßen
- Fotos nur für private Zwecke – Geheimhaltung der Reviereigenheiten
Hege und Bestandsaufnahme
Als Jungjäger zeigst du Engagement, wenn du Hegemaßnahmen mitübernimmst: Wildacker pflegen, Kirrungen anlegen, Sulplenprüfung. Das stark deine Position beim Paechter und gibt dir mehr Revierkenntnis als jeder Theorieblock.
Reviergang lernen in der Jagdausbildung
In meinen Kursen bei CE-adventures trainieren wir Reviergänge praxisnah im eigenen Lehrrevier. Wenn du noch keine Jagdausbildung hast, sieh dir den 7-Wochen-Jagdkurs oder den 3-Wochen-Intensivkurs an.
Fazit
Der erste Reviergang ist mehr als nur Spazieren gehen – er ist Handwerk, Beobachtungskunst und Naturschule. Mit Respekt vor dem Revier und gründlicher Vorbereitung wirst du schnell sicherer und kannst die Erkenntnisse direkt in deinen ersten Ansitz überführen. Fragen oder Begleitung gewünscht? Schreib mir einfach.

